Swiss Life Living + Working* Newsletter Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser des Living + Working-Newsletters,
mit der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) rücken konkrete Anforderungen an Energieeffizienz, Transparenz und Dekarbonisierung in den Fokus der Immobilienbranche. Für Portfolios wie den Living + Working bedeutet das vor allem eines: Umsetzung.
In dieser Ausgabe sprechen wir mit Maximilian Riede, Head ESG bei Swiss Life Asset Managers in Deutschland, darüber, wie ESG im Alltag wirklich funktioniert – von Daten und Prozessen bis hin zur Frage, wie Dekarbonisierung im Portfolio skaliert werden kann.
Mit dem Objekt Cortenbergh 107 in Brüssel zeigen wir außerdem, wie Standortqualität und stabile Nutzerstrukturen zu verlässlichen Erträgen beitragen.
Ergänzend beleuchtet unser Research-Team die Rolle von Nahversorgungszentren im europäischen Einzelhandel und zeigt, warum sie als resilienter Baustein in diversifizierten Portfolios an Bedeutung gewinnen.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Ihr Redaktionsteam des Living + Working Newsletters
Präsenz als Standortqualität: Cortenbergh 107, Brüssel
Das Europaviertel in Brüssel ist kein klassischer Büromarkt. Es ist ein politischer Standort. Wer hier ansässig ist, ist Teil der europäischen Entscheidungsstruktur. Cortenbergh 107 liegt zwischen EU-Kommission und Schuman-Kreisel, in direkter Nachbarschaft zentraler Institutionen und Vertretungen. Ein Standort, der aus seiner Lage heraus wirkt. Mieter des Objekts ist die Ständige Vertretung Rumäniens bei der EU. Institutionelle Nutzer entscheiden langfristig und strategisch. Das sorgt für verlässliche Cashflows.
Struktur, die trägt
Das 1993 von François Schilling entworfene Gebäude folgt dem Prinzip eines markanten Eck- und „proue“-Bauwerks. Es setzt bewusst eine städtebauliche Spitze im Straßenraum der Avenue de Cortenbergh. Klare Flächenstrukturen und effiziente Erschließung sichern die funktionale Qualität des Gebäudes. Hinzu kommt ein in dieser Lage seltenes Plus: 127 Tiefgaragenstellplätze für Mitarbeiter und Besucher.
Ein verlässlicher Baustein im Fonds
Die Nachfrage im Europaviertel ist strukturell verankert. EU-Institutionen, diplomatische Vertretungen und internationale Organisationen sichern die langfristige Relevanz des Teilmarkts. Cortenbergh 107 ist direkt darin eingebettet. Im Living + Working Fonds übernimmt das Objekt die Rolle eines stabilen Working Assets mit planbaren Erträgen und belastbarer Perspektive.
Im Gespräch mit Maximilian Riede, Head ESG bei Swiss Life Asset Managers in Deutschland: „Dekarbonisierung von Immobilien – von der Compliance Übung zur aktiven Wertschöpfung.“
Herr Riede, was entscheidet heute darüber, ob ESG im Immobilienportfolio wirklich Wirkung entfaltet?
ESG entfaltet heute nur dann echte Wirkung, wenn die Themen, an denen ESG-Manager arbeiten auch eine Relevanz für das Kerngeschäft haben. Dazu zählt die Mitwirkung an revisionssicheren Reportings basierend auf robusten Daten genauso wie der strategische Energieeinkauf, die Beratung des Portfolio und Asset Managements bei der Umsetzung von CapEx Maßnahmen sowie die laufende Weiterentwicklung von Steuerungsinstrumenten und Plattformen für das Portfolio Management. Zukunftsfähige ESG-Teams antizipieren regulatorische und marktbedingte Chancen und Risiken und begleiten das Portfolio Management bei der Entwicklung geeigneter Strategien.
ESG sollte also nicht als separates Zusatzthema betrachtet werden, sondern konsequent in das Kerngeschäft entlang des gesamten Immobilienlebenszyklus integriert sein – von der Entwicklung über den Betrieb bis hin zur Modernisierung und schlussendlich zur Veräußerung. Dabei sind belastbare Daten, transparente Prozesse, moderne Technologien und starke Partnerschaften entscheidend.
Ein häufiges Thema ist die Wirtschaftlichkeit. Rechnet sich ESG heute schon oder bleibt es ein langfristiges Investment?
ESG ist längst nicht mehr ein Zukunftsthema, sondern oft bereits eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Für Finanzierung, Vermietbarkeit und regulatorische Konformität wird ESG zunehmend zur Grundvoraussetzung. Gleichzeitig zeigt sich am Markt ein differenziertes Bild in Bezug auf „Green Premiums“ und „Brown Discounts“: also Bewertungs- und Vermarktungsrisiken bei nicht transformierten Beständen. Während energieeffiziente Flächen im gehobenen Bürosegment eine Selbstverständlichkeit sind, ist in der Nutzungsklasse Wohnen die Modernisierungsumlage eine wesentliche Grundlage, um einerseits die Portfolien zu dekarbonisieren und andererseits die Marktwerte zu steigern. Es zeigen sich also gewisse Basisanforderungen über alle Nutzungsklassen hinweg, um wirtschaftliche Risiken zu minimieren. Umso mehr steigt auch die Bedeutung von aktivem Asset Management, das die richtigen Stellschrauben bedienen kann, um die Zukunftsfähigkeit von Immobilienportfolios sicherzustellen.
Swiss Life Asset Managers Deutschland geht mit Initiativen wie Climatch einen eigenen Weg in der Dekarbonisierung. Was unterscheidet diesen Ansatz von klassischen ESG-Strategien?
Der Unterschied liegt vor allem in der operativen Tiefe und im ganzheitlichen Ansatz. Climatch versteht Dekarbonisierung nicht als Sammlung einzelner ESG-Maßnahmen, sondern als strukturierten, skalierbaren Umsetzungsprozess auf Objekt- und Portfolioebene. Im Fokus stehen dabei Energieeffizienz, Onsite-Technologien wie Photovoltaik, neue Wärme- und Versorgungslösungen, E-Mobilität sowie Contracting-Modelle. Der eigentliche USP ist damit in Zusammenarbeit mit dem ESG-Team die Verbindung aus regulatorischem Know-how, einer datengestützten Roadmap, Fördermittelkompetenz und konkreter Umsetzung im Asset Management – also ein Ansatz, der hands-on die gesamte Bewirtschaftungsphase der Immobilien begleitet und ESG somit zu sehr viel mehr macht als nur die Erfüllung regulatorischer Pflichten – nämlich zu einem fest integrierten Bestandteil des Asset Managements.
Mit der neuen EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) steigen die Anforderungen weiter. Was bedeutet das konkret für Immobilienportfolios wie den Living + Working?
Die EPBD erhöht den Transformationsdruck auf Immobilienportfolios deutlich. Für Portfolios wie den Living + Working bedeutet das vor allem, energetische Schwächen früher zu identifizieren und Sanierungspfade strukturiert zu planen. Dabei geht es neben der Compliance auch um die Sicherung von Vermietbarkeit, Finanzierbarkeit und Wertentwicklung. Genau deshalb gewinnen datenbasierte Dekarbonisierungs-Roadmaps, laufendes Monitoring und die enge Verzahnung von Regulierung, Technik und Asset Management an Bedeutung. Wer früh handelt, kann regulatorische Risiken reduzieren und Transformationspotenziale gezielt heben.
Im Living + Working gibt es Bestandsgebäude verschiedener Nutzungsklassen. Wie geht man mit der Vielfalt solcher Objekte unter den neuen Vorgaben um?
Gerade bei Bestandsgebäuden braucht es einen differenzierten, objektspezifischen Ansatz. Nicht jedes Gebäude lässt sich mit einem Standardprogramm transformieren. Entscheidend ist deshalb, technische Machbarkeit, regulatorische Anforderungen, Wirtschaftlichkeit und den jeweiligen Gebäudecharakter zusammenzudenken. In der Praxis bedeutet das oft, Maßnahmen stufenweise umzusetzen – etwa über die Optimierung der Gebäudetechnik, effizientere Wärmeversorgung, gezielte Eingriffe in die Gebäudehülle, intelligente Steuerung oder den Einsatz passender Onsite-Technologien, soweit dies baulich möglich ist. Ziel ist nicht die schematische Sanierung, sondern ein realistischer Dekarbonisierungspfad, der CO₂-Wirkung, Investitionsbedarf und Nutzungsperspektive sinnvoll austariert.
Warum sind Daten und Transparenz im ESG-Kontext entscheidend?
Sie sind die Grundlage jeder wirksamen ESG-Strategie. Regulatorische Anforderungen wie die SFDR, EU-Taxonomie und EPBD sowie das Gebäudemodernisierungsgesetz machen belastbare Daten heute faktisch zur Pflicht. Gleichzeitig ermöglichen sie erst, Maßnahmen nach CO₂-Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit sinnvoll zu priorisieren. Wer verlässliche Daten hat, kann Dekarbonisierungspfade definieren, Fortschritte messbar machen und regulatorisches Reporting fundiert aufsetzen. Transparenz ist die Voraussetzung für bessere Entscheidungen im laufenden Portfolio und Asset Management.
Die EPBD: neue Spielregeln für Gebäude in Europa
Rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und mehr als ein Drittel der CO₂-Emissionen in Europa entfallen auf Gebäude. Genau dort setzt die EPBD – genauer: die „Energy Performance of Buildings Directive“ – der Europäischen Union an. Ihr Ziel: den Gebäudebestand Schritt für Schritt energieeffizienter und emissionsärmer aufzustellen.
Die Richtlinie wurde Anfang der 2000er-Jahre erstmals eingeführt. Seitdem hat die EU sie mehrfach weiterentwickelt und an neue klima- und energiepolitische Ziele angepasst. Mit dem European Green Deal rückte das Thema zusätzlich in den Mittelpunkt europäischer Politik.
Vom Energiestandard zur Zukunftsstrategie
Mit der überarbeiteten Fassung aus dem Jahr 2024 geht die EPBD deutlich weiter als frühere Versionen. Im Fokus stehen unter anderem die Senkung von CO₂-Emissionen, die Modernisierung des Gebäudebestands sowie der stärkere Einsatz digitaler Gebäudetechnik und intelligenter Energiesysteme. Gleichzeitig soll mehr Transparenz über Energieverbrauch und Gebäudeperformance entstehen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie nun bis spätestens 29. Mai 2026 in nationales Recht überführen.
Damit gewinnen Gebäudequalitäten an Bedeutung, die moderne technische Infrastruktur und nachhaltige Betriebskonzepte miteinander verbinden. Unser Fondsmanagement beobachtet die weitere Entwicklung der EPBD daher aufmerksam und bewertet fortlaufend, welche Chancen sich daraus langfristig für moderne Immobilienstrategien ergeben.
Wie Deutschland die EPBD konkret umgesetzt hat – denn das ist bislang nicht final geklärt – und welche Auswirkungen daraus für die Immobilienbranche entstehen könnten, beleuchten wir in der nächsten Ausgabe.
Insights von unserem Research-Team: Nahversorgungszentren als resilientes Investment im europäischen Einzelhandel
Nahversorgungszentren unterscheiden sich grundlegend von klassischen Einkaufszentren und innerstädtischen 1A-Lagen. Während Shoppingcenter stark auf Mode, Freizeit und diskretionären Konsum ausgerichtet sind, fokussieren sich Nahversorgungszentren auf die tägliche Grundversorgung. Wobei die sogenannten Ankermieter eine zentrale Rolle spielen: Lebensmittelhändler und Drogerieketten fungieren als frequenzstarke Hauptmieter mit hoher Umsatzstabilität und langfristigen Mietverträgen. Im Gegensatz zu 1A-Lagen sind Nahversorgungszentren weniger abhängig von Tourismus, Büroarbeitsplätzen oder Konsumtrends. Zudem ist die Betreiberabhängigkeit geringer, da keine komplexe Center-Management-Struktur erforderlich ist und sich viele Objekte auch als Fachmarkt- oder Einzelhandelsagglomerationen betreiben lassen. Tatsächlich ist ein Großteil der Nahversorger in Europa in Fachmarktzentren integriert.
Megatrends als anhaltende Nachfragetreiber
Die Nachfrage nach wohnortnaher Grundversorgung wird durch mehrere, langfristige Megatrends gestützt. Die Urbanisierung und Nachverdichtung erhöhen den Bedarf an kurzen Wegen, insbesondere vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung, die auf letztere angewiesen ist. Gleichzeitig bleibt der Lebensmitteleinzelhandel trotz wachsendem Onlinehandel überwiegend stationär geprägt. Zudem erfolgen spontane Einkäufe insbesondere bei Gütern des täglichen Bedarfs weiterhin in Wohnnähe. Ergänzend verstärken verkehrs- und klimapolitische Zielsetzungen den Fokus auf wohnortnahe Versorgungsstrukturen, die vielerorts ein fester Bestandteil integrierter Stadt- und Quartiersentwicklungskonzepte sind.
Struktureller Nachfrageüberhang in urbanen, wachsenden und regulierten Märkten
In weiten Teilen Europas besteht ein struktureller Mangel an modernen Nahversorgungsstandorten, insbesondere in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden, was sich im Durchschnittsalter der Märkte widerspiegelt. Vor allem in wachstumsstarken Stadtrandlagen, suburbanen Räumen und verdichteten Quartieren hält das Angebot nicht mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt, während ein Großteil des Bestands funktional und energetisch veraltet ist. Restriktive Planungs- und Genehmigungsverfahren begrenzen zudem Neubauprojekte, wodurch gut gelegene Bestandsobjekte an Wert gewinnen und Mieten sowie Auslastung langfristig stabilisiert werden.
Quelle: PMA, *Nahversorger werden von Datenanbietern unter Fachmarktzentren subsumiert.
Wachstumsmarkt auf Objekt- und Transaktionsebene
Am europäischen Investmentmarkt zählen Nahversorgungszentren, die als Teil der Fachmarktzentren gehandelt bzw. angesehen werden, seit Jahren zu den liquidesten Einzelhandelssegmenten. Insbesondere in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, den nordischen Ländern und Großbritannien verzeichnen lebensmittelgeankerte Einzelhandelsformate eine hohe Transaktionstätigkeit. Der Anteil dieses Segments am gesamten Einzelhandelsinvestmentmarkt ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Ursächlich hierfür ist ihre Resilienz gegenüber makroökonomischen Unsicherheiten sowie ein überdurchschnittliches Rendite-Risiko-Profil:
Wie Wohnimmobilien sind Nahversorgungszentren konjunkturresilient, ihre Spitzenrenditen bewegen sich aber deutlich über denen von Wohnimmobilien. Gegenüber anderen – zyklischen – Einzelhandelsformaten bieten sie hingegen eine deutlich geringere Volatilität. Entsprechend werden sie von Investoren als defensiver Portfoliobaustein mit Renditepotential genutzt.
Quelle: PMA, *Nahversorger werden von Datenanbietern unter Fachmarktzentren subsumiert.
Fazit: Stabiler Anker in europäischen Immobilienportfolios
Nahversorgungszentren vereinen infrastrukturelle Relevanz, stabile Cashflows und strukturelles Nachfragewachstum. Innerhalb des Einzelhandels- und Living-nahen Segments leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Risikodiversifikation und Ertragsstabilität. Für Anleger mit Fokus auf langfristige, resiliente Anlageformen stellen sie – bei sorgfältiger Standort- und Objektselektion – einen wesentlichen Baustein innerhalb eines Immobilienportfolios dar.
Konjunktur Perspektiven
Um erfolgreiche Investitionsentscheidungen zu treffen, ist eine gründliche Analyse unerlässlich. Daher präsentieren wir Ihnen die wirtschaftlichen Aussichten, die vom Research-Team von Swiss Life erstellt wurden.
Termine
Wir laden Sie zur Swiss Life Asset Managers Insights Week ein!
Fünf Tage, zehn Webinare und zahlreiche Einblicke in die Welt von Swiss Life Asset Managers: Bei der diesjährigen „Insights Week“ dreht sich alles um Immobilien, Infrastruktur und neue Investmentideen mit „Swissness-Faktor“. Unter dem Motto „Bewährtes weiterdenken“ ordnen unsere Expertinnen und Experten aktuelle Entwicklungen ein und zeigen, welche Themen die Märkte bewegen.
Die 30-minütigen Online-Seminare finden vom 22. bis zum 26. Juni statt und werden zur späteren Ansicht aufgezeichnet. Im Anschluss haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Hier geht es zum vollständigen Programm und zur Anmeldung: https://www.livingandworking.de/insights-week-2026
Aktuelle Publikationen
April-Factsheet
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* Swiss Life REF (DE) European Real Estate Living and Working, WKN: A2ATC3
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