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Im Gespräch mit Anett Barsch, «Wohnimmobilien sind vor allem wegen ihrer Konjunkturunabhängigkeit interessant»

30.06.2021 

Was ist aus Ihrer Sicht eine zukunftsfähige Wohnimmobilie?
Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Insbesondere aus Investorensicht muss die Wohnimmobilie wichtige ESG-Kriterien erfüllen, um die laufenden Erträge wie auch eine stabile Wertentwicklung zu erhalten. Die Lage bleibt eines der zentralen Themen. Dabei geht es weniger um innerstädtisch oder nicht, sondern viel mehr, ob eine optimale Infrastruktur mit einer guten Versorgungslage und einem intelligenten Mobilitätskonzept, z. B. mit E-Ladesäulen, ÖPNV-Anbindung, Car Sharing oder ausreichend Stellplätzen vorhanden sind. Gerade während der Pandemie ist für die Heimarbeit noch einmal die Bedeutung einer schnellen Internetanbindung gestiegen. Ein wichtiger Treiber für das steigende Interesse an Wohnimmobilien insgesamt bleiben natürlich die aktuellen Niedrigzinsen.

Wie wichtig ist das von Ihnen angesprochene Thema ESG bei Wohnimmobilien?

Der Stellenwert ist nochmals gestiegen, nicht zuletzt, weil der politische Wille und die gesellschaftliche Wertschätzung gewachsen sind und auch die Investoren prägen. Speziell die sozialen Gesichtspunkte gewinnen inzwischen mehr Raum. Es geht unter anderem um Aufenthaltsqualität auf den eigenen Flächen der Investoren, wo beim Bau von Spielplätzen, Kitas und Schulen und der Gestaltung der öffentlichen Räume auch die Qualität der Umgebung stark aufgewertet wird.

Wie beeinflusst der Megatrend Urbanisierung die Wohnimmobilien?
Die Urbanisierung hat in der Vergangenheit zu einer Nachfragesteigerung speziell in städtischen Lagen geführt. Intensiviert hat sich in letzter Zeit auch die Nachfrage in gut angebundenen B-Städten. Eine wichtige Rolle spielen das mobile Arbeiten und die moderateren Preise im Umland der Schwarmstädte.

Welchen Sonderformen der Wohnimmobilien sehen Sie als besonders aussichtsreich?
Zentral sind die flexiblen Grundrisse. So sind damit teilweise bereits mehrere Wohnsonderformen in einem Gebäude möglich, vom Micro-Living, über Studentenwohnungen bis zur Seniorenwohnung. Grundsätzlich bleibt Wohnen im Alter ein Dauerthema aufgrund der demografischen Entwicklung, genau wie Boarding-Häuser für das Wochentags-Arbeiten außerhalb des eigenen privaten Wohnortes.

Wohnen gewinnt bei Immobilienfonds stark an Bedeutung. Wie wirkt sich das aus?
Das Angebot guter Wohnimmobilien kann nur schwer mit der steigenden Nachfrage mithalten. Das Reizvolle an der Wohnimmobile ist ihre relative Konjunkturunabhängigkeit, was sich auch in ihrer Stabilität während des Wirtschaftseinbruchs der letzten Monate gezeigt hat. Allerdings ist es schwieriger geworden, gute Objekte zu finden. Gerade hier hilft uns die starke regionale Vernetzung mit beispielsweise alleine 8 Immobilien-Niederlassungen von uns in ganz Deutschland. So finden wir nach wie vor für den Swiss Life Living + Working Wohnimmobilien mit langfristig stabilen Erträgen.

Was halten Sie von Wohnanteilen in Quartiersentwicklungen?
Zu jedem guten und vor allem lebendigen Quartier gehören auch ein Wohnanteil und eine gute Mischung aus weiteren Nutzungen. Dazu zählen Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie ein verträglicher Gewerbeanteil. Ganz wichtig ist dabei eine vernetzte Infrastruktur im Bereich Energie, Mobilität, Entsorgung und sonstigen nachbarschaftlichen Dienstleistungen. Die Herausforderungen sind neben dieser optimalen Mischung der Nutzung speziell planungsrechtliche Vorgaben und Einschränkungen.

Wie sähe Ihre private Traum-Wohnimmobilie aus?
Meine Traumimmobilie ist zu allererst an einem Ort, an dem auch meine Familie und meine Freunde leben, in urbaner Lage. Die Ausstattung ist für mich weniger wichtig. Ein kleiner Garten mit einer schönen Terrasse und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach für eine E-Ladestation wären schön.

Anett Barsch ist Head of Real Estate Project Development der Swiss Life Asset Managers Deutschland sowie Geschäftsführerin der CORPUS SIREO Real Estate. Sie verantwortet das Projektentwicklungsgeschäft in den Assetklassen Residential und Office und ist seit mehr als 22 Jahren in diesem Bereich deutschlandweit tätig. Zuvor war die Architektin Partnerin in einem Architekturbüro. Seit 2016 ist sie Mitglied im Landesvorstand NRW sowie im Bundesvorstand des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e. V. (BFW) in Berlin und Mitglied im Immobilienausschuss der IHK Köln.

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