Herr Dr. Eglitis, derzeit dominieren geopolitische Unsicherheiten und negative Schlagzeilen die Wahrnehmung. Wo sehen Sie aktuell positive Signale – insbesondere für Immobilieninvestoren in Europa?
Ich denke, man sollte sich von den Schlagzeilen nicht zu sehr beeinflussen lassen. Europa hat in den vergangenen Jahren gelernt, sich stärker eigenständig aufzustellen, und genau das wirkt jetzt stabilisierend. Im Vergleich zu anderen großen Märkten verfügt Europa über klare Stärken: politische und rechtliche Stabilität, eine starke Forschungslandschaft, eine gut ausgebaute Infrastruktur und qualifizierte Arbeitskräfte.
Auch die aktuellen Turbulenzen an den Ölmärkten bestätigen den Kurs der Europäischen Union. Mit dem Green Deal hat sie die notwendigen Schritte in der Energiewende eingeläutet, um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Diese frühzeitige Umsicht zeigt sich jetzt als stabilisierender Faktor an den europäischen Immobilienmärkten. Und am Ende bleiben die fundamentalen Treiber intakt, unabhängig von kurzfristigen geopolitischen Entwicklungen.
Wie bewerten Sie die Entwicklung der deutschen Immobilienmärkte im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Deutschland wurde zuletzt sicherlich etwas ausgebremst, vor allem durch konjunkturelle Unsicherheiten und politische Reformen. Gleichzeitig sind jetzt positive Impulse erkennbar, etwa durch fiskalische Maßnahmen der Regierung. Viele Investoren setzen darauf, dass Deutschland als Wirtschafts- und Investitionsstandort wieder an Stärke gewinnt. Diese Einschätzung teile ich grundsätzlich.
Der Transaktionsmarkt zeigt weiterhin Erholungstendenzen. Ist das bereits eine Trendwende oder noch eine Zwischenphase?
Die eigentliche Zwischenphase liegt hinter uns. Die Preisanpassungen wurden weitgehend vollzogen und vom Markt akzeptiert. Wir befinden uns jetzt wieder im „Normalmodus“, allerdings auf einem höheren Zinsniveau als in der Nullzinsphase, an die sich viele Akteure gewöhnt hatten. Eine große Trendwende ist daher nicht zu erwarten, sondern eher ein schrittweises Aufwärtspendeln.
Was treibt die Wertentwicklung von Immobilien aktuell stärker: der Markt oder das Asset Management?
Ich würde sagen, beides spielt zusammen, aber das Asset Management ist derzeit der aktivere Teil. Die Mietmärkte liefern vielerorts weiterhin Rückenwind, zum Beispiel durch Angebotsknappheit und steigende Mieten. Entscheidend ist, diese „Vorlage“ auch umzusetzen. Und genau hier trennt sich in der Praxis oft die Spreu vom Weizen. Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld zeigt sich die Qualität des Asset Managements, indem es Lösungen findet und Potenziale hebt.
Welche Risiken sollten Investoren aktuell besonders im Blick behalten und wie lassen sie sich steuern?
Das zentrale Risiko bleibt die geopolitische Entwicklung, insbesondere mit Blick auf Inflation und Zinsen. Darauf hat die Immobilienwirtschaft naturgemäß nur begrenzten Einfluss. Wir sitzen zwar nicht am Steuer, können aber die Weichen stellen. Das bedeutet, entlang langfristiger Megatrends zu investieren oder gezielt Opportunitäten zu nutzen. Gleichzeitig sehe ich aktuell durchaus attraktive Einstiegsmöglichkeiten im europäischen Immobilienmarkt.
Welche Erwartungen haben Sie für die kommenden 12 bis 24 Monate für den europäischen Immobilienmarkt?
Die Mietmärkte dürften in konjunktursensiblen Segmenten zunächst gedämpft bleiben, könnten sich bei einer Stabilisierung der Wirtschaft jedoch wieder beleben. Am Investmentmarkt beobachten wir nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung. Transaktionen dauern länger, Verhandlungen sind intensiver und Finanzierungen anspruchsvoller. Punktuelle Preisanpassungen nach unten sind möglich, bieten aber auch gute Einstiegschancen für Investoren, die sich auf längere Transaktionsprozesse einstellen. Mit Blick auf die kommenden Jahre erwarten wir eine Rückkehr zu einem moderat positiven Marktumfeld.
Welche Nutzungsarten halten Sie langfristig für besonders zukunftsfähig?
Besonders gute Perspektiven sehen wir in den Nutzungsarten, die wir in unserer „4L-Strategie“ zusammenfassen: Living, Life Science, Logistik und Light Industrial. Diese Segmente profitieren von strukturellen und gesellschaftlichen Trends und bieten aus unserer Sicht die besten Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum.