Frau Hoffmann, wie hat sich der europäische Wohnungsmarkt in den vergangenen Jahren verändert und welche Chancen ergeben sich daraus für professionelle Investoren?
Wohnen bietet etwas, das selten geworden ist: Stabilität und Visibilität. Menschen müssen wohnen, unabhängig vom Konjunkturzyklus. Die Nachfrage ist somit nicht optional und besonders verlässlich. Die Chancen für Investoren sind stabile, sehr gut planbare Erträge und langfristiges Wertentwicklungspotential. Deshalb betrachten wir Wohnen weniger als kurzfristige Marktchance, sondern vielmehr als strategische Allokationsnotwendigkeit. Selbstverständlich gibt es innerhalb Europas unterschiedliche Marktdynamiken. Was fast alle Länder eint, sind die Megatrends Urbanisierung, demografischer Wandel und steigende Anzahl an Haushalten. Gleichzeitig wurde und wird viel zu wenig Wohnraum neu gebaut. Das Neubauvolumen ist seit 2020 aufgrund der stark gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten nochmal deutlich eingebrochen. Dadurch wird der bereits bestehende Nachfrageüberhang weiter steigen. Wir sehen auch aufgrund der erfolgten Preisanpassungen einen idealen Zeitpunkt im Marktzyklus, um Wohnportfolios aufzubauen oder auszuweiten.
Worauf kommt es bei der Auswahl attraktiver Wohninvestments an?
Selbstverständlich Lage, Lage, Lage. Dabei geht es neben der Stadt oder Region auch um eine attraktive Mikrolage des Objekts. Entscheidend sind auch Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung, Verkehrsanbindung, Mietdynamik und Bezahlbarkeit. Ebenso wichtig ist es, die richtigen Objekte zum richtigen Zeitpunkt zu identifizieren. Bei Neubauinvestments achten wir besonders auf Energieeffizienz, moderne Grundrisse und wirtschaftlich tragfähige Wohnkonzepte.
Bei Bestandsinvestments liegt der Fokus auf der Transformationsfähigkeit der Objekte in Bezug auf energetische Modernisierung und Repositionierung im Spannungsfeld zwischen Kosten und Rendite.
Und hier liegt auch die Stärke von Swiss Life Asset Managers. Wir verbinden die Analyse langfristiger Markttrends mit tiefem lokalem Marktverständnis. Unsere paneuropäische Plattform ermöglicht es uns, Chancen in unterschiedlichen Märkten frühzeitig zu erkennen und gezielt zu nutzen.
Welche Rolle spielt die Assetklasse Wohnen konkret im Living + Working Fonds?
Wohnen übernimmt im Living + Working eine stabilisierende Funktion. Die Assetklasse profitiert von stabilen, planbaren Erträgen und langfristigen Wertentwicklungsperspektiven. Oder kurz gesagt: Gewohnt wird immer. Hinzu kommt die breite Risikostreuung. Die Mieteinnahmen verteilen sich auf viele einzelne Mietverträge, wodurch Mietausfall- und Nachvermietungsrisiken deutlich reduziert werden. Außerdem setzen wir auf zukunftsfähige Wohnkonzepte, die von Trends wie Urbanisierung und demografischem Wandel profitieren. Ein gutes Beispiel ist der Wohnpark Timmel, das betreute Wohnen und Tagespflege kombiniert.
Was unterscheidet ein erfolgreiches Wohninvestment heute von klassischen „Buy-and-Hold“-Ansätzen?
Heute spielen Regulierung, Dekarbonisierung, steigende Kosten und die Bezahlbarkeit von Wohnraum eine große Rolle. Ein klassischer Buy-and-Hold-Ansatz allein reicht deshalb nicht mehr aus. Die Dekarbonisierung im Bestand ist kein Nebenthema mehr, sondern der entscheidende Kapitaltreiber. Erfolgreiche Wohninvestments entstehen durch die Kombination aus tiefem Marktverständnis, aktivem Asset Management, Dekarbonisierungsexpertise und einer klaren Portfoliostrategie. Bei Swiss Life Asset Managers arbeiten die Bereiche Research, Portfolio- und Asset Management aktiv zusammen. Genau dieses Zusammenspiel macht den Unterschied.
Wohnkonzepte verändern sich derzeit stark. Welche Entwicklungen beobachten Sie besonders aufmerksam?
Wohnen wird flexibler und lebensphasenorientierter. Mobilität, der demografische Wandel und neue Lebensmodelle verändern die Anforderungen an Wohnraum. Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach kleineren, kompakten und temporären Wohnformen in den Metropolregionen. Dazu gehören Micro Living, studentisches Wohnen und Seniorenwohnen. Gleichzeitig bleibt bezahlbarer Wohnraum, etwa für Familien, ein zentrales Thema. Der Living + Working entwickelt sein Portfolio entlang solcher Nachfrageverschiebungen weiter.