Im Gespräch mit Nikolai Schmidt

14.04.2026

Herr Schmidt, Pflege- und Gesundheitsimmobilien rücken immer stärker in den Fokus der Investoren. Was treibt die Nachfrage? 

Der zentrale Treiber ist der demografische Wandel. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt spürbar, gleichzeitig gibt es eine deutliche Versorgungslücke bei barrierearmen und betreuten Wohnformen. Hinzu kommt, dass sich die Versorgung zunehmend in den ambulanten Bereich verlagert. In Summe sehen wir ein strukturelles Ungleichgewicht. Die Nachfrage ist schlicht höher als das Angebot.

Warum gelten Gesundheitsimmobilien als besonders resiliente Assetklasse? 

Das liegt vor allem an der Kombination aus langfristigen Mietverträgen und einer sehr stabilen Nachfrage. Die Nutzer sind stark an den Standort gebunden, und der gesellschaftliche Bedarf bleibt unabhängig von konjunkturellen Schwankungen bestehen. Genau das macht die Assetklasse so widerstandsfähig.

Gleichzeitig hört man immer wieder: „Ohne Neubau wird es nicht gehen.“ Wo liegt aktuell die größte Herausforderung? 

Die Herausforderung liegt klar im Spannungsfeld zwischen hohen Baukosten und begrenzten Refinanzierungsmöglichkeiten. Die Mieten lassen sich nicht beliebig steigern, weil sie durch die Investitionskosten gedeckelt sind. Fördermodelle und politische Unterstützung sind deshalb entscheidend, damit neue Projekte überhaupt realisiert werden können.

Wie wichtig ist die Auswahl des richtigen Betreibers für den Investmenterfolg? 

 Sie ist entscheidend. Es braucht eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe, Transparenz im Reporting und vor allem eine hohe Betreiberqualität. Themen wie Refinanzierungsfähigkeit oder der Umgang mit dem Fachkräftemangel spielen dabei eine große Rolle. Ohne ein tiefes Verständnis für den Markt und die Betreiberstrukturen geht es nicht.

Wie positioniert sich Swiss Life Asset Managers aktuell im Health-Care-Segment? 

Wir setzen schon seit vielen Jahren gezielt auf diese Assetklasse. Inzwischen haben wir rund 3 Milliarden Euro investiert. Unser Portfolio ist breit aufgestellt und umfasst Pflegeimmobilien, betreutes Wohnen, Ärztehäuser und Spezialkliniken in ganz Europa. Dabei verfolgen wir konsequent einen langfristigen Ansatz und legen den Fokus klar auf Qualität statt auf reines Wachstum.

Pflegeimmobilien sind nicht nur Investments, sondern auch gesellschaftlich sensibel. Wie geht Swiss Life Asset Managers Deutschland damit um? 

Gerade als Teil eines Lebensversicherers denken wir hier sehr langfristig. Für uns steht die Lebensqualität der Bewohner im Mittelpunkt. Gleichzeitig müssen die Konzepte wirtschaftlich tragfähig sein. Es geht also immer darum, soziale Verantwortung und stabile Erträge sinnvoll miteinander zu verbinden.

Wohin entwickelt sich der Markt in den kommenden fünf Jahren? 

Wir werden voraussichtlich eine stärkere Verschiebung hin zu ambulanten Versorgungsstrukturen sehen. Gleichzeitig hängen viele Entwicklungen von den politischen Rahmenbedingungen ab. Der Kapitalmarkt dürfte weiter zurückkommen, und wir beobachten eine zunehmende Professionalisierung auf Betreiberseite.

Gibt es im Living + Working Portfolio eine Immobilie, die für Sie besonders gut zeigt, was eine zukunftsfähige Gesundheitsimmobilie ausmacht? 

Ein Objekt, das mir direkt einfällt, ist die DOREAFamilie Berlin. Für mich bringt sie vieles zusammen: ein ruhiges, grünes Umfeld und gleichzeitig eine sehr gute Anbindung. Dazu kommt ein durchdachtes, nutzerorientiertes Konzept – genau diese Kombination macht für mich eine zukunftsfähige Gesundheitsimmobilie aus.

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