Die stetige Erholung der europäischen Immobilieninvestmentmärkte hält auch zur Jahresmitte 2026 an. Zwar bremsen der Nahostkonflikt, höhere Energiepreise und die jüngste Zinserhöhung der EZB die Dynamik, dennoch steigen die Transaktionsvolumina moderat weiter. Gleichzeitig sorgt das hohe Angebot dafür, dass vor allem opportunistische Investoren aktiv werden. Verkäufer müssen dagegen häufig Preisabschläge akzeptieren.
Auffällig bleibt jedoch die Zurückhaltung institutioneller Investoren: Ihr Marktanteil fiel auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre, während offene Fonds aktuell praktisch nicht als Käufer in Erscheinung treten. Gleichzeitig profitieren insbesondere Living-, aber auch Working-Objekte von der fortschreitenden Markterholung.
Die Erholung der Investmentmärkte schreitet langsam voran – offene Fonds bleiben nahezu abwesend
Der europäische Immobilieninvestmentmarkt setzte seinen Erholungskurs trotz geopolitischen Gegenwinds auch im ersten Halbjahr 2026 fort, wenn auch mit gedrosseltem Tempo. Das Transaktionsvolumen erreichte knapp 105 Mrd. EUR bei rund 15 200 Objekttransaktionen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 3 % beim Volumen und 11 % bei der Zahl der Transaktionen. Institutionelle Investoren agieren jedoch weiterhin zurückhaltend. Ihr Marktanteil lag im ersten Halbjahr 2026 bei lediglich 41 % und damit auf dem niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Besonders auffällig ist die nahezu vollständige Abwesenheit offener Fonds: Mit einem Marktanteil von nur 0,2 % traten sie praktisch nicht als Käufer am europäischen Investmentmarkt in Erscheinung.
Quelle: bulwiengesa, Stand: Mai 2026
Nahostkonflikt und EZB bremsen die Dynamik
Die Eskalation des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran hat die Inflationserwartungen und Energiepreise steigen lassen. Gleichzeitig erhöhte die Europäische Zentralbank im Juni 2026 ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte. Anleger agieren zwar vorsichtiger, richten ihren Fokus jedoch verstärkt auf langfristige Fundamentaldaten statt auf kurzfristige Zinsbewegungen.
Living bleibt die bevorzugte Anlage
Living-Objekte, zu denen neben klassischen Mietwohnungen auch Studentenwohnen und Gesundheitsimmobilien zählen, vereinen mittlerweile knapp 30 % des europäischen Transaktionsvolumens. Die Attraktivität des Sektors wird sowohl von strukturellen als auch von demografischen Faktoren getragen. Wohnungsmangel, geringe Fertigstellungen und eine hohe Nachfrage stützen die Entwicklung ebenso wie der steigende Pflegebedarf.
Büroinvestments fokussieren sich auf Qualität
Auch der Bürosektor zeigt sich robuster als vielfach erwartet. Mit einem Anteil von 23 % am Transaktionsvolumen und einem Wachstum von 7 % gegenüber H1 2025 untermauert er seine Relevanz innerhalb der Assetklasse Immobilien. Wobei sich die Nachfrage auf moderne, ESG-konforme Büroobjekte in (sehr) guten Lagen konzentriert. Diese profitieren von unzureichender Neubautätigkeit und stabiler Flächennachfrage. Der sogenannte Flight-to-Quality bleibt das charakteristische Thema dieses Sektors.
Einzelhandel überzeugt mit stabilen Erträgen
Im Handelssektor profitieren vor allem Nahversorger und Fachmarktzentren von resilienten Cashflows. Zudem gewinnen hochwertige Einzelhandelsimmobilien in europäischen Top-Lagen wieder an Aufmerksamkeit. Anzeichen hierfür liefern sowohl die zunehmende Zahl großvolumiger Transaktionen als auch die Rückkehr institutionellen Kapitals.
Stabilität der Spitzenrenditen trotz mehr Transaktionen
Die Unsicherheiten infolge des Nahostkonflikts sowie die Zinserhöhung der EZB verhinderten in H1 2026 eine Fortsetzung der Renditekompression. Die durchschnittliche europäische Spitzenrendite für Büroimmobilien stieg von 5,37 % auf 5,39 %, für Highstreet-Einzelhandelsimmobilien von 4,76 % auf 4,77 %. Für deutsche Wohnimmobilien blieben die Spitzenrenditen weitgehend stabil.
Fazit: Die Erholung setzt sich schrittweise fort
Trotz erhöhter geopolitischer Unsicherheiten bleibt der Ausblick für die europäischen Immobilieninvestmentmärkte positiv. Viele Transaktionen wurden lediglich verschoben, befinden sich aber weiterhin in der Pipeline. Solide Vermietungsmärkte, ein begrenztes Angebot und stabile Mietwachstumsperspektiven stützen insbesondere den Living-Sektor sowie strukturell begünstigte Nutzungsarten wie Nahversorgungsimmobilien. Die Erholung erfolgt jedoch bislang ohne breite Unterstützung institutioneller Investoren. Der historisch niedrige Marktanteil institutionellen Kapitals und die nahezu vollständige Abwesenheit offener Fonds zeigen, dass wichtige Käufergruppen weiterhin zurückhaltend agieren. Eine stärkere Marktbelebung dürfte daher auch davon abhängen, ob diese Investoren im weiteren Jahresverlauf an den Markt zurückkehren.