Steigende Reallöhne in Europa bedeuten den Anfang vom Ende der Kaufkraftkrise

13.03.2024

War das Jahr 2022 noch von einem starken Inflationsschock geprägt, so brachte 2023 zumindest in Europa keine neuerlichen Überraschungen von der Teuerungsfront mit sich. Es ist im Gegenteil erstaunlich, dass die Konsensus-Erwartung zur mittleren Teuerungsrate in Deutschland bereits zum Jahresanfang 2023 dem schließlich realisierten Wert sehr nahekam.

Chinas Inflationsrate 2023 überraschte dagegen sehr, allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Im Januar 2023 lag die Konsensus-Erwartung zur mittleren Jahresteuerung 2023 für China noch bei 2,3 %, zum Jahresende befand sich China an der Schwelle zur Deflation. Dies hatte Rückwirkungen auf die exportorientierten Volkswirtschaften in Europa, da deflationäre Tendenzen einen Nachfragerückgang mit sich bringen. Gegenüber dem Vorjahr sanken 2023 die Exportvolumen Deutschlands nach China. Damit erfüllten sich die Hoffnungen im Anschluss an die Aufgabe der Zero-Covid-Policy der chinesischen Regierung zu Ende des Jahres 2022 nicht. Positiv überraschten hingegen die Wirtschaftsdaten aus den USA. Kräftige Impulse der Fiskalpolitik sorgten dafür, dass diese Volkswirtschaft trotz gestiegener Finanzierungskosten einer Rezession entgehen konnten.

2024 wird von fünf Schlüsselthemen geprägt sein:

  1. Die Inflationsziele der Zentralbanken rücken wieder in Griffweite
    Für die Eurozone ist absehbar, dass die Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte 2024 unter 2 % sinken wird. Unsere Erwartung zur mittleren Inflationsrate liegt für die Deutschland und für die Eurozone bei 2,1 %. Der Höhepunkt des Zinserhöhungszyklus liegt also hinter uns. Die EZB wird ab dem zweiten Quartal ihre Geldpolitik lockern.
  2. Die Winde drehen bei Geld- und Fiskalpolitik
    Damit erfährt die Weltwirtschaft Rückenwind von der Geldpolitik. Projektentwickler und langfristig orientierte Investoren erhalten Klarheit zur künftigen Ausrichtung der Geldpolitik. Auf der anderen Seite wird die Fiskalpolitik in geringerem Maß stimulierend sein als in den Vorjahren. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird unter dem langfristigen Potential ausfallen, was den Inflationsdruck zusätzlich mindert.
  3. Steigende Haushaltseinkommen signalisieren Aufschwung
    Die Weltwirtschaft wird die zyklische Talsohle im Jahresverlauf hinter sich lassen. Die Belebung der konjunkturellen Dynamik wird zusätzlich von der Tatsache getragen, dass die realen verfügbaren Haushaltseinkommen im Jahresverlauf erstmals seit 2021 wieder steigen werden.
  4. Geopolitik: Neue globale Unordnung
    Noch nie in der Geschichte wurden in so vielen Ländern so viele Menschen zu Wahlen gerufen, wie dies 2024 der Fall sein. Neben der Vielzahl an Urnengängen sorgen weiterhin der Ukrainekrieg und der erneut entfachte Nahostkonflikt für Verunsicherung. Die Gefährdung der Transportroute durch den Suezkanal ruft das Risiko unterbrochener Lieferketten wieder in Erinnerung.
  5. China fällt als Wachstumsmotor aus
    Wie eingangs erwähnt, tritt die Nachfrage aus China auf der Stelle. Anders als nach der großen Finanzkrise nimmt China nicht mehr die Rolle der Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft ein. Die Exporte deutscher Waren nach China werden im Jahresverlauf nur zögerlich ansteigen, die Besucherzahlen chinesischer Gäste in Europas Tourismusdestinationen werden weiterhin unter den Zahlen vor der Pandemie verharren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt mit Freunden teilen!