Im Gespräch mit Christian Dinger, Sprecher der Geschäftsführung der Swiss Life KVG

27.08.2025

„OIFs sind die Stabilitätsanker im Portfolio“

Herr Dinger, in der aktuellen Marktsituation sind viele Investoren unsicher, wie sie ihr Portfolio optimal ausrichten sollen. Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach offene Immobilienfonds (OIFs) in einem langfristig ausgerichteten Portfolio?
Ich kann natürlich nur für unseren Living + Working sprechen, aber wenn wir den mal zum Maßstab nehmen, dann bieten offene Immobilienfonds gerade in unsicheren Zeiten entscheidende Vorteile. Ihre Funktion ist typischerweise nicht die eines Renditeturbos. Stattdessen können sie in einem ausgewogenen Gesamtportfolio als Stabilitätsanker dienen – vor allem dann, wenn andere Anlageklassen wie Aktien aufgrund ihrer höheren Volatilität größere Risiken bergen. Auch bei OIFs kann es zu Abwertungen kommen, aber insgesamt sind sie in ihrer Bewertung deutlich weniger volatil. Und vor allem sind sie in der Lage, langfristig stabile Erträge zu generieren und daher besonders für risikoaversere langfristig orientierte Investoren attraktiv.
Immobilien können darüber hinaus einen sehr wirksamen Inflationsschutz bieten – auch im Wohnimmobilienbereich. In den vergangenen Jahren haben indexierte Mietverträge zunehmend dafür gesorgt, dass die Mieteinnahmen proportional zur Inflation steigen.

Angesichts der Zinsentwicklung: Werden OIFs jetzt auch renditeseitig wieder konkurrenzfähiger?
Absolut. Mit der Zinswende ab 2022 wurden klassische Bankeinlagen wieder zur echten Konkurrenz. Doch inzwischen sind die Zinsen wieder ein gutes Stück gesunken, während sich die Renditen am Immobilienmarkt etwas erhöht haben. Nach den Bewertungskorrekturen infolge des schnellen Zinsanstiegs lässt sich sogar durchaus sagen, dass der jetzige Zeitpunkt zum (Wieder-) Einstieg in die Assetklasse Immobilien und daher auch in OIFs wie den L+W gar kein schlechter sein dürfte. Aber ich wiederhole: Es geht bei OIFs nicht allein um die Höhe der Rendite, es geht vor allem um die relativ große Stabilität: Auch in der aktuellen Phase behaupten sich OIFs weiterhin als stabiler Cashflow-Bringer. Langfristig gesehen bleiben Immobilien als Assetklasse aufgrund ihrer physischen Substanz und der Mietströme ein zuverlässiger Bestandteil jedes Portfolios.

Gibt es spezifische Herausforderungen, die Sie in Bezug auf OIFs sehen, vor allem für Privatanleger?
Natürlich gibt es auch bei offenen Immobilienfonds Herausforderungen. Besonders im kurzen Zeitraum können Marktveränderungen wie steigende Zinsen oder politische Unsicherheiten zu Bewertungskorrekturen führen. Aber, und das ist ein entscheidender Punkt, die meisten dieser Schwankungen sind vergleichsweise kurzfristiger Natur. Wenn Anleger langfristig investiert bleiben, können sie von der Stabilität und den Ausschüttungen profitieren. OIFs sind keine Produkte für kurzfristige Investitionen oder schnelle Kursgewinne. Wer hier anlegt, sollte Geduld und Vertrauen in die langfristige Entwicklung der Immobilienmärkte mitbringen.

Derzeit wird viel über Infrastruktur als attraktive Assetklasse für Privatanleger gesprochen, unter anderem durch Vehikel wie den ELTIF. Entsteht hier eine neue Konkurrenz für OIFs? Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert, wenn für Privatanleger das Angebot wächst und sie auch in solche Segmente investieren können. Je vielfältiger dieses Angebot, desto besser – und in den kommenden Jahren werden sicher weitere Innovationen folgen. Betrachtet man jedoch das Volumen, um das es dabei geht, handelt es sich eindeutig um Nischen. Für klassische offene Immobilienfonds spricht nach wie vor die breite Akzeptanz sowie die bewährte Stabilität über viele Jahre. Ich erwarte daher nicht, dass OIFs in naher Zukunft an Bedeutung verlieren – ein gesunder Wettbewerb kann aber auch Impulse setzen.

Christian Dinger

Christian Dinger ist Geschäftsführer der Swiss Life Kapitalverwaltungsgesellschaft und Head Fund Management von Swiss Life Asset Managers Deutschland.

Christian Dinger, der seit dem 01.01.2012 bei Swiss Life Asset Managers in Deutschland und der ehemaligen CORPUS SIREO in unterschiedlichen Führungspositionen tätig war, studierte an der Universität Karlsruhe (TH) Bauingenieur- und Wirtschaftsingenieurwesen. Vor seinem Eintritt bei Swiss Life Asset Managers war er für PricewaterhouseCoopers im Bereich Real Estate Advisory tätig.

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