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Im Gespräch mit Christoph Jauck, Direktor Asset Management der Swiss Life Asset Managers Deutschland GmbH
«Der Living + Working hat sich mit seinem Schwerpunkt auf Nahversorgung als besonders widerstandsfähig und werthaltig erwiesen.»

27.10.2021 

Was machen Sie und Ihr Team in der Vermögensverwaltung Einzelhandel genau?
Wir betreuen in enger Zusammenarbeit mit dem Fondsmanagement die Einzelhandelsimmobilien als Asset Manager. Zudem erstellt das Team die Businesspläne für die Einzelhandelsobjekte, steuert die Dienstleister und ist der erste Ansprechpartner für die Mieter. Unser Ziel dabei ist, den Ertrag und den Wert der Fondsobjekte im Sinne der Anleger nachhaltig und kontinuierlich zu steigern.

Wie hat sich der Einzelhandel insgesamt in den letzten 10 Jahren entwickelt?
Der Einzelhandelsmarkt war früher noch viel planbarer. Die Mietverträge hatten beispielsweise in der Regel eine Laufzeit von 10 Jahren. Eine solche Laufzeit ist heute nur noch in Ausnahmefällen durchsetzbar. Die Unternehmen haben kürzere Planungszeiträume. Bei den Einzelhandelsobjekten des Living + Working haben wir einen großen Vorteil gegenüber unter anderem Shopping Centern. Sie bieten vor allem Dinge des täglichen Bedarfes und sind so relativ krisenresistent.

Welche neuen Einzelhandelsformen kamen neben dem Online-Handel hinzu?
Vor allem klassische Handelskonzepte haben unter der Konkurrenz aus dem Internet gelitten. Die Bedeutung der Warenhäuser ist stark zurückgegangen. Ein weiteres Beispiel ist der Buchhandel, der sich zwischenzeitlich weitgehend aus dem stationären Handel zurückgezogen hat. Hier ist aber eine Renaissance auf verkleinerten Flächen festzustellen. Generell hat der Online-Handel vor allem im Bereich des Modehandels zu einer Flächenbereinigung geführt. Profitiert von den Veränderungen im stationären Handel haben Gastronomiekonzepte, Discounthändler, Supermärkte und Drogeriemärkte. Diese Handelskonzepte belegen inzwischen wie selbstverständlich auch beste Innenstadtlagen.

Auch der Einzelhandel war durch die Pandemieauswirkungen betroffen. Wie ist der aktuelle Stand?
Der stationäre Einzelhandel war unterschiedlich betroffen. Handelskonzepte, die nicht von behördlichen Schließungen betroffen waren (z. B. Supermärkte und Discounter) haben nur geringe oder auch gar keine Umsatzeinbußen erlitten. Auf die Einzelhandelsobjekte bezogen hat sich der Trend verstärkt, dass sich Objekte mit einem Schwerpunkt auf Nahversorgung als besonders widerstandsfähig und werthaltig erweisen.

Mit welchen Maßnahmen haben Sie im Krisenmanagement gearbeitet?
Wir haben die Situationen der Mieter genau analysiert und viele Mietergespräche geführt. Gerade in der Phase des ersten Lockdowns gab es für alle Beteiligten eine große Unsicherheit, die Situation war für alle Beteiligten völlig neu. Im Einzelfall wurden über reine Stundungsvereinbarungen hinaus mietvertragliche Regelungen getroffen, die für Mieter- und Vermieterseite und damit für den Anleger gleichermaßen vorteilhaft waren. Entsprechend gering sind die Auswirkungen für die Fondsanleger.

Wie ist das Portfolio des Living + Working durch diese Zeit gekommen?
Das Portfolio des Living + Working hat sich als sehr robust in Bezug auf die Pandemieauswirkungen erwiesen, was sich auch an der Anteilpreisentwicklung ablesen lässt. Die Werthaltigkeit des Portfolios liegt in Bezug auf die gemanagten Einzelhandelsimmobilien auch an dem klaren Fokus auf Nahversorgungsimmobilien und Stadtteilzentren mit Ankermietern aus der Lebensmittelbranche.

Welche Formate werden wir in Zukunft noch sehen?
Ein neues Einzelhandelsformat ist derzeit stark im Kommen. Damit meine ich die Kombination von Online- und Offline-Handel. Viele Kunden setzen verstärkt auf Beratungsqualität vor Ort und wieder auf langlebigere Produkte. Insofern erleben wir derzeit in einigen Teilbereichen eine Renaissance des stationären Einzelhandels.

Christoph Jauck ist Direktor Asset Management bei Swiss Life Asset Managers Deutschland GmbH und dort für das Asset Management der Shopping Center der Swiss Life verantwortlich. Er betreut ein Investitionsvolumen von ca. 350 Mio. Euro. Christoph Jauck ist Volljurist, Immobilien-ökonom (ebs) und MBA Real Estate (IREBS). Er ist seit 18 Jahren in der Immobilienwirtschaft tätig und auf Einzelhandelsimmobilien spezialisiert. Vor Beginn seiner Tätigkeit bei ehemals CORPUS SIREO, heute Swiss Life Asset Managers, hat er Projektentwicklungen und Revitalisierungen von großen Shopping-Centern verantwortlich begleitet.

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