Wohnen im Ausland

Wir Schweizer sind ja bekannt für unsere Genauigkeit. Unsere Uhren genau wie unsere Zahlen sind pünktlich und richtig. So kommt es, dass jedes Jahr Banker, Versicherer und Politiker, aber natürlich auch wir Mieter, auf die Veröffentlichung der Leerstandszahlen des Bundesamts für Statistik schauen. Per 1. Juni wird jeweils eine Stichtagszählung gemacht, wie viele Wohnungen, Eigentum wie Miete, leer stehen, auf die zweite Nachkommastelle genau – für das Jahr 2018 ergab sich 1.61%, rauf von 1.45% im Jahr zuvor. Für die Schweiz viel (aufgrund der tiefen Zinsen wird vor allem in peripheren Lagen gebaut), im europäischen Vergleich kaum zu erwähnen. In der Schweiz ist der Wohnsektor aber seit jeher der Hauptinvestitionssektor und entsprechend werden Bewegungen genau beobachtet.

Unsere nördlichen Nachbarn können dies noch nachvollziehen: Auch in Deutschland gilt der Wohnungsmarkt als investorenfreundlich – in beiden Ländern ist das kulturell bedingt durch die niedrige Eigentumsquote. Interessanterweise veröffentlicht aber kein Amt eine Leerstandsziffer (die wahrscheinlich leicht höher wäre als in der Schweiz). Über die weiteren Landesgrenzen hinaus, wobei die nordischen Länder ausgeschlossen werden müssen, geht dann das Verständnis für den Wohnungssektor als attraktive Investition schon bereits etwas verloren. Unsere britischen Kollegen kennen kaum etwas Anderes als den Häuserkauf und auch die Kollegen in Frankreich gewöhnen sich erst langsam an den Gedanken der Miete.

Beide Länder, und nicht nur diese, verändern sich aber demografisch und kulturell mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Immobilienmärkte. In Zeiten von Globalisierung, erhöhter geografischer Flexibilität der Arbeitnehmer und zunehmender Urbanisierung steigt jedoch die Nachfrage nach Mietwohnungen, die eine höhere Flexibilität garantieren – auch in Ländern, die traditionell ans Eigentum geglaubt haben. Gerade Letzteres hat aber zum eigentlichen Hauptgrund geführt, weshalb Mieten gegenüber Kaufen immer attraktiver wird: Die (kaum mehr vorhandene) Erschwinglichkeit eines Häuserkaufs treibt den Mietersektor. Gerade junge Haushalte sind von dieser Entwicklung betroffen, wodurch sie in Kombination mit dem Wunsch nach zentraler Lage und mehr Flexibilität in dem Mietermarkt drängen. Erhöhte Nachfrage an attraktiven Miet-Standorten kann dann dafür zu erhöhten Mieten führen, welche die politische Diskussion ebenfalls wieder anheizt. Eine Bewegung, die die Regierungen fordert.

Wohnen ist landesübergreifend ein emotionales Thema, das alle betrifft. Das Wort Wohnung kommt eigentlich vom wonen, was so viel wie zufrieden sein, sich gewöhnen heisst. Für den Investor gilt es die Balance zwischen attraktiven Standort, der von der Bevölkerung nachgefragt wird, und marktüblichen Mieten zu finden.

Fotonachweis: Unsplash

Ein Gastbeitrag von Francesca Boucard; Economist für Real Estate bei Swiss Life Asset Managers.

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