Finanzen

Warum spricht man bei Anteilen an einem Offenen Immobilienfonds von Preisen und nicht von Kursen?

Die Anteilpreise bei einem Offenen Immobilienfonds werden auf Basis des tatsächlichen Nettovermögens berechnet und sind unmittelbar werthaltig im Gegensatz zu den oft spekulativen Kursentwicklungen von Wertpapieren an einer Börse.

Jeder Anleger eines Offenen Immobilienfonds erhält eine Bestätigung für seine Einlage in Form von sogenannten Anteilscheinen. Früher gab es für die Anteilscheine noch sehr kostenaufwendige Besitzurkunden. Heute werden den Anlegern die Anteilscheine auf seinem Wertpapierdepot oder einem speziellen Investmentdepot gutgeschrieben, ähnlich wie ein Guthaben auf einem Girokonto. 

Doch warum spricht man im Zusammenhang mit dem Wert dieses Guthabens von Anteilpreisen und nicht von Anteilkursen? Zunächst, Kurse entstehen immer durch Angebot und Nachfrage, wie beispielsweise bei gehandelten Aktien an einer Börse. In die jeweiligen Kurse fließen immer auch Zukunftserwartungen der Anleger ein, sie entsprechen fast nie dem tatsächlichen Bilanzwert eines Unternehmens. Anders verhält es sich bei Offenen Immobilienfonds. Ihre Anteilwerte werden nach genauen gesetzlichen Vorgaben berechnet und basieren auf der sogenannten Vermögensaufstellung, quasi der Bilanz des Fonds. 

Zur Berechnung der Anteilpreise werden zunächst in der Vermögensaufstellung des Fonds alle Guthaben aufgeführt, wie die durch unabhängige Sachverständige festgestellten Immobilienwerte, wobei die Sachverständigen an die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) gebunden sind. Die liquiden Mittel für beispielsweise Immobilienneuankäufe oder auch Anteilscheinrückgaben, usw. kommen hinzu. Davon werden schließlich die Verbindlichkeiten abgezogen, wie beispielsweise ausstehende Rechnungen oder Rückstellungen. In der Summe erhält man dann das Nettofondsvermögen. Dieses wird durch die Anzahl der ausgegebenen Anteilscheine dividiert und man erhält den Anteilpreis je Anteilschein, der grundsätzlich werktäglich berechnet und veröffentlicht wird. Damit die Berechnung einem hohen Grad an Unabhängigkeit und Kontrolle unterliegt, wird sie von der jeweils zuständigen Depotbank durchgeführt, die ihrerseits genau wie die Fondsgesellschaft der Bankenaufsicht durch die BaFin unterliegt. 

Hinter dem Anteilpreis steht folglich ein realer Wert in gleicher Höhe. Er ist neben dem Liquiditätsteil vor allem Ausdruck einer Investition in Realwerte – Immobilien.

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