Coworking-Flächen erobern die Büromärkte

Das Konzept des Coworking und die flexible Anmietung von trendigen, kommunikativen Büroflächen entstand in der Startup- und Kreativszene, wird jedoch heute von einer Vielzahl von Unternehmen genutzt. Ein Blick auf die Büromärkte in Europa und Deutschland kann die heutige Bedeutung von flexiblen Büroarbeitsplätzen verdeutlichen.

In globaler Sicht verfügt London über den größten Bestand an Coworking-Flächen. Nach Berechnungen des Immobilienberaters JLL lag der Flächenbestand flexibler Büros zum Jahresende 2017 bei gut 700.000 m², gefolgt von New York mit ca. 600.000 m². In Europa folgten mit deutlichem Abstand Paris mit ca. 300.000 m² sowie Amsterdam, Berlin und Madrid mit je gut 200.000 m². Werden 10-12 Quadratmeter pro Arbeitsplatz gerechnet, lässt sich die Dimension dieses stark wachsenden Segments verdeutlichen: So liegt in Berlin die Zahl der angebotenen Arbeitsplätze in flexiblen Büros bei ca. 18.000 und bietet somit theoretisch knapp 3% der insgesamt gut 600.000 Bürobeschäftigten in der Stadt eine Arbeitsstätte.

Die Zunahme von Coworking-Flächen in Großbritannien, aber auch in Deutschland und den Niederlanden zeigt sich ebenfalls an den Bürovermietungsmärkten. In Rotterdam, Amsterdam und London lag der Anteil dieser Flächenkategorie nach Auswertungen des Analysehauses PMA bei über 10% des gesamten Büroflächenumsatzes der letzten zwei Jahre.

Marktanteil von flexiblen Büroflächen am Büroflächenumsatz, aggregiert für 2016 und 2017. Quelle: PMA

Flexible Arbeitsplätze sind einerseits Zeichen für international ausgerichtete Standorte mit vielen Startups, wofür London, Berlin oder Amsterdam stehen. Andererseits kann die Struktur des Arbeitsmarktes entscheidend sein: So steigen in Großbritannien und den Niederlanden die Bedeutung und Anteil von Selbständigen, während in allen drei genannten Ländern der Anteil der Teilzeitbeschäftigten im europaweiten Vergleich sehr hoch ist, so dass Unternehmen an flexiblen Arbeitsplatzmodellen interessiert sind.

Für Deutschland hat der Immobiliendienstleister Savills zum Jahresanfang 2018 insgesamt rund 580 Einrichtungen mit flexiblen Büroarbeitsplätzen ermittelt – davon die größte Zahl in Berlin, gefolgt von München und Hamburg. Allerdings entfallen auch über 200 Einrichtungen auf Standorte außerhalb der Top-7-Büromärkte. Das Konzept der flexiblen Arbeitsplätze dehnt sich somit in weitere Groß-, aber auch Mittelstädte aus.

Verteilung von Einrichtungen mit flexiblen Arbeitsplätzen in Deutschland. Quelle: Savills

Auch wenn wenige Anbieter so bekannt sind wie WeWork, Regus oder Mindspace, so gibt es in Europa dutzende Anbieter von flexiblen Bürolösungen. Darüber hinaus haben Immobilieneigentümer begonnen, eigene Konzepte zu schaffen und ihre Flächen direkt zu vermieten. Mittel- und langfristig ist eine Konsolidierung zu erwarten, wobei sich die großen Anbieter durchsetzen dürften. Flexible Bürokonzepte und der zugehörige Flächenbedarf werden jedoch bleiben, da die Unternehmen in einer immer stärker flexibilisierten und digitalisierten Welt das Erfordernis haben, Mitarbeiter und damit Arbeitsplätze kurzfristig disponieren zu können, und damit auf längerfristige Mietverträge verzichten.

Headerbild: Unsplash

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